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update: 08.06.2018

Eigenbau einer Photovoltaikanlage -
Ein Erfahrungsbericht

Die Idee einer PV Anlage auf dem Dach bestand schon lange bei uns, nur war all die Jahre die Westseite des Daches durch sehr hohe Bäume vom Nachbarn beschattet. Bereits im Herbst 2014 mussten die Bäume wegen Windbruch entfernt werden. Aber es mussten weitere 3,5 Jahre vergehen, bis ich mich an das Projekt herangewagt hatte. 

eigenbau_erfahrung

Ermutigung

Erst durch die Ermutigung eines guten Freundes, welcher als Nebenerwerbs- Solateur schon einige Anlagen er- richtet hat, fiel letztlich der Entschluss zum Eigenbau einer Ost/West-Anlage. Er hat mir das Material besorgt, jedoch von vorne herein klargestellt, nicht selbst Hand anzulegen. Alle Hilfestellungen erfolgten dabei nur über diverse Kommunikationswege, wie E-Mail, Telefon oder WhatsApp. Nach seinen Erklärungen schien es ja ziemlich einfach zu sein. Auch ein weiterer Bekannter hat schon mal selbst eine kleine Anlage errichtet. Alles ohne Probleme, allerdings auf dem Flachdach einer Garage . Als Elektrotechnisch vorbelasteter Mensch mit einem einigermaßen handwerklichem Geschick, ...

      ... jedoch ohne eigene Erfahrung im PV-Sektor, dachte ich anfangs, die Montagearbeiten würden recht schnell erledigt sein. Also die entsprechen- den Dachziegel entnehmen, ausklinken, Dachhaken setzen und die Ziegel wieder einsetzen.

Der Plan

Bevor es losgehen konnte, begann ich Anfang März erst mal mit der Erstellung eines detaillierten Plans beider Dachseiten, gefolgt von zahl- reichen Internetrecherchen in diversen Foren. Die Auswahl der PV-Module stand ebenfalls schnell fest, da ich diese sehr günstig beziehen hätte können. Sobald es die Temperaturen zugelassen hatten, begannen die ersten Vorbereitungsmaßnahmen, wie das Anbringen eines Kabelkanals und einer Leitungsdurchführung in den Keller. Auch der Wechselrichter war schnell bestellt und montiert. Kurz vor den Osterfeiertagen wurde dann das Material für das Tragegestell geliefert. Im Vorfeld wurden mir durch weitere Freunde ein professioneller Gurt, ein Kletterseil und eine weitere Kletter- ausrüstung zur Verfügung gestellt. Bei knapp 40 Grad Dachneigung hätte ich mich ohne Absicherung keinen Schritt auf das Dach getraut. Na, dann konnte es ja losgehen!

Das Setzen der Dachhaken

Die erste Ernüchterung kam jedoch schnell, da sich das Setzen der Dachhaken als Knochenjob herausstellte und gerade in problematischen Bereichen unterhalb der Firstziegel oder neben der Eindeckung der Dachfenster nicht leicht war, die Dachziegel zu entnehmen. Vor allem die ungewohnte Körperhaltung am Schrägdach hatte Arme und Beine ziemlich belastet und jeden Tag Schmerzen verursacht, dafür waren die ursprünglichen Rückenbeschwerden deutlich besser!
Es sollte über eine Woche dauern, bis alle 56 Haken gesetzt waren, die Schienen waren dazu vergleichsweise schnell montiert.

Erste Änderung

Zwischenzeitlich hatte sich herausgestellt, dass die PV-Module für mich erheblich teurer geworden wären. Also habe ich mit meinem „Solateur in der Ferne“ umdisponiert und mich für einen deutschen Modulhersteller entschieden. Der Preis lag nur geringfügig über dem der ursprünglich geplanten Module, jedoch mit 25 Watt mehr Leistung pro Modul. Mir war auch gleich bewusst, dass fast alle Schienen angepasst werden mussten, da die neuen Module merklich breiter sind. Das hieß Warten auf eine Lieferung mit zusätzlichen Profilschienen und weiteren Dachhaken. Zwischenzeitlich wurden die Solarkabel verlegt, die Erdleitungen mit jeder Schiene verbunden und die Elektroinstallation am Ort des Wechselrichters ausgeführt. Außerdem mussten an der Stirnseite vier Eisenträger eingezogen werden, damit ergab sich die Möglichkeit, zwei zusätzliche Module an der engen Seite neben dem Dachfenster anzubringen.

Steckverbinder

Die Arbeit ging mir also nicht aus und schon stand der nächste Frust vor der Tür. Der Modulhersteller verwendet als ziemlich Einziger ein anderes Steckverbindersystem, was eben nicht einem quasi Weltstandard entspricht und spezielles Werkzeug zur Montage der Steckverbinder erfordert. Die Stecker wurden nach einigen Tagen geliefert, nur das besagte Werkzeug ließ sich nicht auftreiben, da es keine Fachfirma, welche diese Module montiert, verleihen wollte. Ein Neukauf schied wegen der hohen Kosten von mehreren hundert Euro aus. Zum Glück gibt es einen Marktplatz für Solarprodukte im Internet, bei dem ich eine gebrauchte Zange erwerben konnte. Mittlerweile verstrichen 5 Wochen bis die benötigten Steckverbinder montiert werden konnten. Zum Glück konnten die Module durch das Treppenhaus hochgetragen und durch die Dachfenster nach außen gebracht werden. Somit war das Gerüst, welches über zwei Wochen nutzlos herumstand, nur zur Anbringung der untersten Modulreihe hilfreich.

Modulmontage

Innerhalb von drei Tagen waren mit Hilfe von meinen Söhnen und ein paar Freunden als zusätzliche Helfer, alle 26 PV-Module montiert. Am Ende des letzten Arbeitstages war ich glücklich, es endlich geschafft zu haben und hoffentlich so schnell nicht mehr auf dem Dach rumturnen zu müssen.

Fazit:

Nach all den Strapazen sowie den vielen Verzögerungen und Problemen während der Bauphase, würde ich so ein Projekt kein zweites Mal angehen. Und die Worte meines Freundes und Profi im Solarsektor klingen noch frustrierend im Ohr, als er am Ende sagte: „Respekt für die schnelle Einarbeitung in das Thema und hartnäckige Durchführung trotz einiger Widrigkeiten. Drei Monteure, ein Tag und so eine Anlage steht“.
Naja, wenigstens habe ich mit den Aktivitäten am Dach so nebenbei meine Höhenangst verloren und außerdem zahlreiche Erfahrungen auf diesem Gebiet erworben.

Wir freuen uns alle schon, wenn die Anlage in ein paar Tagen ans Netz geht und erstmalig selbst generierter  Strom durch die Leitung fließt.


Alexander Zeitler